Die Schwabmünchner Künstlerin Alexandra Vassilikian im Museum Oberschönenfeld

Alexandra Vassilikian aus Schwabmünchen wurde im Wettbewerb „Der Landkreis zu Gast in der Schwäbischen Galerie“, der alle zwei Jahre vom Bezirk Schwaben für erfahrene Künstlerinnen und Künstler aus der Region ausgeschrieben wird, von der Jury auserwählt. Die beeindruckende Einzelausstellung mit dem Titel „Weltenschleifen“, ist noch bis zum 15. März in der Schwäbischen Galerie im Museum Oberschönenfeld zu sehen.

Es kann nur ein Versuch der Annäherung im Rahmen eines Gesprächs an das Werk von Alexandra Vassilikian sein, die darauf hinweist, dass der Titel „Weltenschleifen“ mit dem englischen Begriff „loops“ für „Schleifen“ bildlich weitaus treffender sei. Denn das Wort „loops“ gebe die immer variierenden Bewegungen in einer räumlichen Dimension deutlich wieder, im Sinne von überlappenden Welten und den Schleifen des Seins, die im unendlichen Raum einem ständigen Wandel durch Auf und Abtauchen, einem ewigen Vor und Zurück entsprechen. Bei den Werken Vassilikians dreht es sich um die erschreckenden Seiten der Vergänglichkeit des Seins.
Die umfangreiche Einzelausstellung in der Schwäbischen Galerie im Museum Oberschönenfeld zeigt zwei große Zyklen ihrer Ölbilder und Arbeiten auf Papier mit den Titeln Schlachtfelder und Mischwesen, hinter denen oft zum Teil langjährige Projekte und Arbeitsprozesse stecken. Spätestens beim Lesen dieser Titel ahnt der Betrachter, dass er gefordert ist, sich auf schwer verdauliche Kost einzulassen.

Betritt man die Ausstellung, meint man fast in eine Gegenwelt einzutreten: Eine des Grauens und der Gewalt mit einer Wucht, die einem die Furcht vor der Endlichkeit vor Augen führt und vor der es kein Entrinnen gibt. Diese archetypische unaussprechliche Furcht vor Zerstörung, Gewalt, vor Leiden und Pein scheint aus diesen Bildwerken zu sprechen. Auf die Frage, ob es in ihren Bildwerken um das Grauen vor oder das Grauen in der Existenz geht, meint Vassilikian es drehe sich um beides und auch um eine Art „Schönheit des Horrors“. Für sie ist Alles in Allem enthalten und sie schiebt einen Ausspruch des Autors Jim Harrison hinterher „die Welt ist ein Schlachtfeld und war es von Anfang an”.

Alles in Allem bedeute für sie, dass alles miteinander verbunden sei, alles habe eine Seele, eine Energie, ohne die es keinen Dialog geben würde. So sei beispielsweise die Begegnung, wie die mit der riesigen Tellerwurzel im Wald, ein Treffen mit ihrem Alter Ego gewesen, ihrem Doppelgänger. Kein Wunder also, dass sie sich mit dieser Riesenwurzel jahrelang intensiv inhaltlich und künstlerisch beschäftigte.

Dass sie regelrecht fasziniert ist, konkrete Erlebnisse und Erfahrungen intellektuell und künstlerisch im wahrsten Sinne des Wortes bis ins Kleinste zu sezieren und zu transformieren, schildert sie an einem anderen Beispiel aus dem Jahr 2006, einem gehäuteten Schafskopf. Die Beschäftigung damit wird sie später auf die Vorstellung des Planeten Erde transformieren, der seiner schützenden Hülle beraubt, als „gehäutete Landschaft“ preisgegeben ist. Dabei geht es Vassilikian neben den anatomischen Aspekten eines gewaltsam bloßgelegten Inneren eines Körpers immer auch um das alt bekannte Thema der Vergänglichkeit – der Vanitas.

So gewaltsam und schwermütig die Themen bei Vassilikian jedoch sind, so spricht bei ihr fast poetisch die künstlerische Technik eine Sprache der aquarellhaften Leichtigkeit und Transparenz. Mit einer reduzierten Farbpalette in Schwarz, Grau, Weiß und sanften rötlichen Tönen erschafft die Künstlerin eine eigene Bildsprache und Handschrift, wobei sie neben Öl und Aquarellfarbe, Pigmente, Tusche, Bleistift und auch Asche verwendet. Es entstehen kriegsartige Szenerien und sogartige Endzeitstimmungen. Aus dem Nichts tauchen Anatomiestudien von Leibern auf und sinken wieder darin zurück, amorphe Mischwesen und Gebilde von Adern, die Baumwurzeln sein können oder umgekehrt, vereinen Natur und Mensch.
Die Künstlerin wurde bei der Ausstellungseröffnung durch den stellvertretenden Landrat und eine höchst anspruchsvolle und versierte Laudatio von Sabine Sünwoldt gewürdigt. Die Vernissage wurde außerdem mit einer exzellenten Musikauswahl von Ilse Lichtinger zu einem intensiven Gesamterlebnis.

Insgesamt betrachtet scheint das Werk Vassilikians den existenziellen Leidens und Schreckensformen im Bild gebannt eine Art Gedenken und eine Form der Würdigung zu Teil werden zu lassen. Verstörend und nachhaltig bleiben diese Bilder im Gedächtnis.

Sie selbst sagt dazu, dass in der fast heilen Welt von heute dies ebenfalls ein Teil vom großen Ganzen sei. Auf die Frage inwieweit sie eine Art „Gegenbilder“ der Realität entwirft, vermutet sie „wäre ich im Krieg, würde ich eventuell Blümchen malen.“ In der heutigen Zeit jedoch meint sie „tanzen wir auf dem Vulkan“, sie verstehe ihr Werk daher als eine Art Spiegel, als Erinnerung und Mahnung gegen das Verdrängen.

Werkbeispiel_Alexandra Vassilikian

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